Westwall 188

In 1999 wurde, nach 2 Jährige Restaurationszeit, das Haus am Westwall 188 fertig gestellt. Da es sich um ein aussergewöhliches Objekt handelt, verdient es einen Platz hier im Web.

 

Das Haus

Das Haus, in Gründerzeit-Stil, ist vermutlich rund 1880 erbaut worden. Es handelt sich um einen 3-geschossigen Putzbau in 4 Achsen. Die Mittellachse in den Obergeschossen, wird durch ionische Säulenstellung mit ausladenden Architraven und Dreiecksgiebeln betont. Das historische Treppenhaus ist bis zum Dachgeschoss ganz aus Eiche gefertigt und verziert mit handgedrechselte Stäbe aus Nussholz. Aufwendige Marmorarbeiten und eine Bronze Statue runden das Bild ab. Die mit Butzenscheiben verzierte Türen sind alle erhalten und das durch ihre Färbung aufgewärmte Licht beleuchtet das Treppenhaus mit einer einladenden Atmosphäre.

Geschichte vom Westwall 188

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Zeichnung der Fassade gemacht vom
Vorbesitzer und Architekten Victor Woytowicz

Vom Westwall 188 wird immer wieder erzählt, es wurde von einem Holländischen Kakaohändler namens van Houten gebaut und bewohnt. Diese Geschichte stimmt nicht. Der Herr Hanisch vom Denkmalschutz Krefeld und ich haben uns die Mühe gemacht, die alten Telefonbücher von Krefeld durch zu welzen und haben folgendes rekonstruiert:

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Vermutlich August Heinen in stolzer
Pose auf dem noch intakten Balkon

Der Architekt Peter Schroers, der an der anderen Seite des Viertels an der Hubertusstraße 152 wohnte, wurde in 1893 Eigentümer des Grundstückes am Westwall 188. Er entwarf und baute das noch heute vorhandene Haus auf dem Grundstück am Westwall 188. Ebenfalls an dieser Hubertusstraße hatte einen gewissen Heinrich Heinen (geb. 04.03.1852, gest. 26.11.1923) eine Samtfabrik namens "Heinrich Heinen Samt und Samtbänder Velvet und Velvetbänder Fabrik, gausrix Anstalt und Samt- und Velvetdruckerei", die rückseitig genau an das Grundstück am Westwall anschloss. Der wohlhabende Heinrich Heinen, ein Preuße und Katholik, wohnte zu der Zeit selber noch auf dem Westwall 190, das Nachbarhaus. Er kaufte in 1896 sofort das inzwischen fertig gestellte Haus von Schroers und konnte bequem durch den Garten in seine Fabrik kommen. Der Sohn des Heinrich Heinen, August Heinen, der inzwischen die Geschäfte übernommen hatte, bezog das Haus Nummer 188 und ließ eine Zwischentür einbauen zu Nummer 190 um sein Haus, mit das seines Vaters, zu verbinden.


Die Tür, die die beiden Häuser verband, ist
seit 1920 verdeckt von einer Holzgarderobe

August Heinen wohnte dort bis zu seinem Umzug zur Hubertusstraße 187 in 1920. In diesem Jahr vermietete er das Haus am Westwall an dem Eigentümer einer Metallwarenfabrik, der dieses später - nach dem Tode von August Heine in 1923 - von dessen Bruder, Robert Heinen, kaufte.

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Blick auf die Prachtstraße Krefelds, der Westwall,
von der Liebfrauenkirch aus (damals Marienkirche)

Die Textilkaufmänner Heinrich und August Heinen waren in den Tagen, als sie auf Nummer 188 wohnten, in guter Gesellschaft. Krefeld läßt sich noch heute "Stadt wie Samt und Seide" nennen und in den Tagen war das nich ohne Grund. Die Prachtstraße die der Westwall war, wurde überwiegend von Textilhändler und -fabrikanten bewohnt. Wenn man die Telefonbücher dieser Zeit - die auch ein Adreßverzeichnis enthielten - durchblättert, ist es erstaunlich fest zu stellen, wieviele Textiliten sich hier niedergelassen hatten. Nebenan auf Nummer 186 gab es die Firma Wolff und Beckerath Zeugdruckerei zum Beispiel, die sogar hier am Westwall Seidenstoffe bedruckten. Aber auch weiter die Straße herunter gab es auf fast jede zweite Hausnummer einen Seiden oder Samt händler. Wie sich die Zeiten geändert haben! Von der ganzen Branche ist fast nichts mehr übrig. Nur rückseitig des Westwalls, an der Hubertusstraße, gegenüber der Alten Fabrik von Heinen, ist noch einen Seidenkrawattenhändler ansässig. Der Westwall ist nicht mehr was es mal war, es ist viel zerbombt worden, aber noch mehr in der Sanierungswell der 60er zerstört worden. Weil das erträgliche textilgeschäft weggebrochen ist, hat die Stadt auch kein Geld mehr den grünen Mittelstreifen zu pflegen. Der Westwall 188 ist eines der letzten der prunkvollen Häuser, von denjenigen die Krefeld (buchstäblich) zu ihrem Ruf verholfen haben.

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Ansicht zur Liebfrauenkirche hin.Das Haus befindet sich an der
linken Seite, hinter dem Auto. die Aufnahme wurde kurz nach
dem Krieg gemacht. Die Platanen wurden abgeholzt und verwertet
in den kalten Wintern zum Kriegsende. Wahrscheinlich wurde
bei dem Bombenangriff, wobei das Haus auf der rechten Seite zerstört
wurde, auch der Balkon in Mitleidenschaft gezogen.

In der Fabrik hinter dem Haus ist heute eine Fittneshalle untergebracht.

Das einmalige Wohnhaus besticht durch den Erhalt seiner prunkvollen Details und die Originalität, weshalb es in 1985 auf der Denkmalliste des Landes Nordreihnwestfalen unter dem Eintrag 357 gelang. Nach zweijährige Sanierung und der Fertigstellung in 1999, wurde das Haus aufgeteilt in 4 abgeschlossene Einheiten, drei Etagen-Wohnungen sowie ein Büro im Erdgeschoss. Das letztere ließe sich eventuell auch zu einer Wohnung umbauen. An der Planung davon wird momentan gearbeitet. Details dazu folgen weiter unten.

 

Das Penthouse

Ganz oben, über den Dächern von Krefeld, mit Aussicht auf das Amtsgericht, befindet sich ein Penthouse mit einer riesigen Dachterasse. Über zwei Etagen und mit sehr aussergewöhnliche Einrichtung ist es zweifellos eins der schönsten Wohnungen Krefelds. Mit viel Liebe für Detail und mit pfiffige Lösungen haben die Eigentümer etwas einmaliges geschaffen.

 

Das erste und zweite Obergeschoss

Im zweiten Obergeschoss befindet sich eine Etagenwohnung die die im ersten Obergeschoss sehr ähnlich ist. Der Grundriß ist, bis auf die Räumlichkeiten an der Westwall Seite, identisch. Wo das erste Obergeschoss ein riesiges Wohnzimmer hat, ist dieser Raum hier geteilt in zwei Räumen. Die Decken sind 4 Meter hoch und mit Stuckarbeiten versehen.

Das noch aufwendigere erste Obergeschoss hat im großen Wohzimmer eine mit Putten versehene Stuckdecke. Die einzigartige Decke im Esszimmer ist originalgetreu restauriert worden. Die denkmalgeschützte Parkettböden sind im sogenannten quatre Carrée stil und befinden sich in einem guten Zustand.

Die Aufteilung des 1. Obergeschosses:

 

Küchendetail

 

Das Erdgeschoss von 106m2 wurde zur Zeit von van Houten bereits als Büro verwendet. Es wird aber inKürze umgebaut zu einer luxuriösen Wohnung. Die Planung ist bereits weit fortgeschritten. Nach Eingang der erforderlichen Genehmigungen gehts los. Die Räumlichkeiten die mit "Küche" und mit "Bad" gekennzeichnet sind, entstehen neu. Wie sie aussehen sollen kann man an untenstehenden Fotomontagen erkennen.

Diese Fotomontagen zeigen das zukünftige Badezimmer (links) und die neue Küche (rechts). Die verwendeten Holzprofilen für die Glasfassaden sind filigran um so viel wie möglich Licht durch zu lassen. Der Balkon des Vorderhauses wird zum Hof hin um fast zwei Meter verlängert. Nach der Massnahme verfügt die Erdgeschosswohnung über circa 135m2 Wohnfläche.

Weitere, bereits vorhandene Merkmale sind:

 

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